Rottweil, Bruderschaftsgasse 7

Der Hinterhof der Bruderschaftsgasse 7 in Rottweil soll im Rahmen einer Umbaumaßnahme neu bebaut werden. Das Gebäude Bruderschaftsgasse 7 wurde nach dem Brand von 1696 wieder errichtet. Der Hinterhof scheint auf alten Karten nicht bebaut zu sein und soll es jetzt werden.

Auf den knapp 40m² kamen überraschend viele archäologische Befunde zutage, so dass die Sondage zu einer Ausgrabung erweitert wurde.

U.a. konnte ein gemauerter Brunnen freigelegt werden, der später zur Latrine umfunktioniert wurde und einen Überlauf zur nördlich liegenden Höllgasse erhielt. Die Beschickung erfolgte über einen Zulauf vom Haus her, der sich als stark reduzierter Rest eines halbierten (?) Baumstamms fassen ließ. Funde gibt es verhältnismäßig wenige aus dem Brunnen. Teilweise sind sie noch spätmittelalterlich.

Vor der Rückfront des Gebäudes fand sich ein weiterer Latrinenkasten aus gesägten, in Eckpfosten genuteten Brettern. Er unterbrach und ersetzte wohl die Baumstamm-Leitung. Dieser Abort war sicherlich an einen Fallschacht an der Rückfront des Hauses angeschlossen und wurde offenbar schon mit dessen Errichtung angelegt, denn dort reichte das Hausfundament ein bis zwei Steinlagen tiefer. Im Gegensatz zum Brunnen/Latrine konnten aus diesem Latrinenkasten auch pflanzliche Reste geborgen werden. Das Fundmaterial besteht aus neuzeitlicher Geschirr- und Ofenkeramik sowie Glas.

Der hölzerne Kasten wurde dann durch eine zementierte Sickergrube ersetzt.

Entlag der nördlichen Grundstücksgrenze wurde ein Fundament freigelegt, welches durch den Latrinenüberlauf gekappt wurde. Westlich daran schließt ein weiteres, weniger tief gegründetes Fundament an. 

Südlich der Mauern erstreckte sich eine Planierschicht mit Brandresten.

Die Befunde stehen somit in einem Widerspruch zur Darstellung des Areals in historischen Abbildungen. Anstelle des Freiraums bestand hier in der 2. Hälfte des 16. Jh., den Befunden zufolge, nicht nur das Nachbarhaus, sondern auch ein Vorgängerbau der heutigen Bruderschaftsgasse 7. Dieser war wohl größer als das heute bestehende und verfügte über einen Brunnen. Dieser wurde wohl nach dem Brand 1696 zu einer Latrine umgewandelt. Teile der Funde könnten auch den Stadtbrand von 1339 widerspiegeln.

 

Quelle: Arch. Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2020, S. 281-283.

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